Kurz gesagt
- Mandanten suchen nach Rechtsgebiet und Ort. Eine eigene Seite je Rechtsgebiet mit klarer Ortsangabe ist die wichtigste Grundlage.
- Google-Unternehmensprofil, Kammerverzeichnis und Anwaltsportale müssen dieselben Angaben enthalten.
- Bewertungen helfen, Antworten darauf dürfen aber nichts über das Mandat verraten.
- Das Berufsrecht verlangt sachliche Information. Genau diese Sachlichkeit schätzen auch KI‑Systeme.
Wie Mandanten heute suchen
Wer rechtlichen Rat braucht, sucht selten nach „Rechtsanwalt“. Gesucht wird nach dem Problem und dem Ort: „Kündigung erhalten, Anwalt Linz“, „Scheidungsanwalt Graz Kosten“, „Anwalt Baurecht Zürich“. Immer öfter steht die Frage auch ausformuliert in ChatGPT oder Gemini: „Welche Kanzlei in Innsbruck ist auf Arbeitsrecht für Arbeitnehmer spezialisiert?“.
Die Antwort darauf setzt sich aus wenigen Quellen zusammen: Kanzleiwebsites, die das Rechtsgebiet klar benennen, das Google-Unternehmensprofil mit Bewertungen, Verzeichnisse von Kammern und Portalen sowie Fachbeiträge. Kanzleien, die dort einheitlich und konkret auftreten, werden genannt. Kanzleien mit einer allgemeinen Startseite und einer langen Liste von Rechtsgebieten eher nicht.
Die Grundlagen: eine Seite je Rechtsgebiet
- Rechtsgebiete einzeln zeigen: Für jedes Gebiet, das Sie wirklich betreuen, eine eigene Seite mit Überschrift wie „Arbeitsrecht für Arbeitnehmer in Linz“. Lieber fünf starke Seiten als zwanzig Zeilen auf einer.
- Typische Anliegen benennen: Kündigung, Abfindung, Zeugnis. Mandanten erkennen sich in konkreten Situationen wieder, KI‑Systeme ordnen die Seite der passenden Frage zu.
- Ablauf und Erreichbarkeit erklären: Wie läuft das erste Gespräch, was sollen Mandanten mitbringen, wie schnell gibt es einen Termin? Das beantwortet häufige Fragen, bevor sie gestellt werden.
- Personen zeigen: Wer betreut das Gebiet, mit welcher Ausbildung und Erfahrung? Fachanwaltstitel in Deutschland nur nennen, wenn sie verliehen wurden.
- Strukturdaten ergänzen: Mit dem Typ LegalService nach Schema.org werden Name, Adresse, Öffnungszeiten und Rechtsgebiete maschinenlesbar.
Profile und Verzeichnisse
Neben der Website zählen die Einträge, die Mandanten und Maschinen gleichermaßen lesen: das Google-Unternehmensprofil mit passender Kategorie, die Anwaltssuche Ihrer Kammer, etablierte Anwaltsportale und Bing Places. Achten Sie darauf, dass Kanzleiname, Adresse, Telefon, Rechtsgebiete und Sprachen überall gleich lauten. Nach einem Umzug oder Partnerwechsel bleiben alte Einträge oft jahrelang stehen und führen zu falschen Antworten.
Inhalte, die Mandanten wirklich helfen
Fachbeiträge funktionieren, wenn sie eine konkrete Frage beantworten und Orientierung geben, ohne eine Beratung zu ersetzen:
- Fragen aus der Praxis: „Was tun nach einer Kündigung?“ oder „Welche Unterlagen brauche ich für die Scheidung?“, in klarer Sprache und mit Hinweis auf geltende Fristen.
- Kosten nachvollziehbar machen: Wie sich Honorare grundsätzlich berechnen und wovon sie abhängen, ohne verbindliche Zusagen.
- Aktuelle Entwicklungen: Neue Urteile oder Gesetzesänderungen in Ihrem Gebiet, mit Datum und Quelle.
- Ehrliche Einordnung: Wann sich ein Verfahren eher nicht lohnt. Das schafft Vertrauen und wird gerne zitiert.
Berufsrecht beachten
Anwaltswerbung ist in allen hier genannten Ländern erlaubt, aber an Regeln gebunden. Der gemeinsame Kern: sachlich, wahr, nicht irreführend und mit Rücksicht auf die Verschwiegenheit. Die wichtigsten Regeln im Überblick:
| Land | Grundlage | Was gilt im Kern |
|---|---|---|
| Deutschland | § 43b BRAO | Werbung nur, soweit sie in Form und Inhalt sachlich über die berufliche Tätigkeit unterrichtet und nicht auf einen Auftrag im Einzelfall gerichtet ist. „Fachanwalt“ nur mit verliehener Bezeichnung |
| Österreich | § 47 RL-BA 2015 | Werbung muss wahr und sachlich sein. Unzulässig sind unter anderem marktschreierische Selbstanpreisung, Vergleiche mit einer bestimmten anderen Kanzlei und die Nennung von Klienten ohne deren Einwilligung |
| Schweiz | Art. 12 lit. d BGFA | Werbung ist erlaubt, solange sie objektiv bleibt und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit entspricht |
| England und Wales | SRA Code of Conduct, 8.8 und 8.9 und SRA Transparency Rules | Werbung zutreffend und nicht irreführend, auch zu Kosten. Keine unaufgeforderte Ansprache von Privatpersonen außer bestehenden oder früheren Mandanten. Für bestimmte Leistungen, etwa Immobilienkauf für Privatpersonen oder unstreitige Nachlässe, Preis- und Leistungsangaben auf der Website, dazu Angaben zum Beschwerdeverfahren |
| Frankreich | RIN, Art. 10 | Werbung und persönliche Ansprache sind erlaubt, wenn sie aufrichtig über die Leistungen informieren und die Grundprinzipien des Berufs wahren. Keine vergleichenden oder herabsetzenden Angaben. „Spécialiste“ nur mit Fachanwaltszertifikat |
| Spanien | Código Deontológico, Art. 6 | Objektiv, wahrheitsgemäß und würdig. Kammer angeben, keine Erfolgsversprechen, Mandanten nur mit schriftlicher Zustimmung nennen, Spezialisierung nur mit Nachweis |
| Italien | Codice deontologico forense, Art. 17 und 35 | Transparent, wahr, nicht vergleichend und nicht suggestiv. Berufsbezeichnung, Kanzleiname und Kammer angeben. Keine Namen von Mandanten, auch nicht mit deren Zustimmung |
Schottland, Nordirland und Irland haben eigene Aufsichtsbehörden und Regeln. Für Ihre Website heißt das: keine reißerischen Versprechen, keine Erfolgsquoten ohne Grundlage und bei Antworten auf Bewertungen keinerlei Details zum Mandat, denn die Verschwiegenheit gilt auch dort. Im Zweifel stimmen Sie heikle Formulierungen mit Ihrer Kammer ab. Diese Übersicht ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Häufige Fehler auf Kanzleiwebsites
- Alle Rechtsgebiete auf einer Seite: Eine Aufzählung von „Arbeitsrecht bis Zivilrecht“ passt zu keiner konkreten Frage und wird selten zitiert.
- Nur Juristendeutsch: Mandanten suchen mit Alltagsworten wie „Kündigung“ oder „Unterhalt“, nicht mit Paragrafen. Beides gehört auf die Seite.
- Kein Ort im Text: Steht der Standort nur im Impressum, fehlt die Verbindung zwischen Rechtsgebiet und Stadt.
- Veraltete Teamseiten: Ausgeschiedene Partner oder alte Telefonnummern auf der Website und in Verzeichnissen machen Antworten unzuverlässig.
Wo KI die Kanzlei zusätzlich entlastet
Sichtbarkeit bringt Anfragen, und die müssen bearbeitet werden. Viele Kanzleien nutzen KI inzwischen auch intern: Anfragen nach Rechtsgebiet vorsortieren, Fristen aus Schriftstücken vorschlagen, Unterlagen auslesen. Wichtig sind dabei Datenschutz, Verschwiegenheit und Server in der EU. Wie das in der Praxis aussieht, steht in unserem Beitrag zu Kundenanfragen mit KI.
Quellen
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: Tipps zur Verbesserung des lokalen Rankings
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: Richtlinien für die Darstellung Ihres Unternehmens
- Schema.org: LegalService
- Google Search Central: AI features and your website