Kurz gesagt
- KI‑Antworten stützen sich auf mehrere Quellen. Wer nur auf der eigenen Website vorkommt, wird seltener genannt.
- Die wichtigsten Quellen für die meisten Unternehmen sind Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnisse, Bewertungsportale, Kammern und Verbände sowie Fach- und Lokalmedien.
- Ein Wikipedia-Artikel ist nur für wenige Unternehmen erreichbar und darf nicht selbst geschrieben werden. Wikidata ist oft der realistischere Weg zu einem eindeutigen Eintrag.
- Gekaufte Erwähnungen ohne Kennzeichnung und erfundene Bewertungen sind in der EU verboten.
Warum Erwähnungen für KI zählen
Fragt jemand ChatGPT, Perplexity oder Gemini nach einem Anbieter, sucht das System im Netz nach passenden Seiten und fasst sie zusammen. Dabei zählt nicht nur, was ein Unternehmen über sich selbst schreibt, sondern ob andere Quellen es bestätigen: Steht der Betrieb im Verzeichnis der Kammer, hat er Bewertungen, berichtet die Lokalzeitung, nennt ihn ein Fachportal?
Die Forschung stützt das. In einer Studie zur Generative Engine Optimization von Forschenden der Princeton University und weiterer Einrichtungen, vorgestellt auf der KDD 2024, ließ sich die Sichtbarkeit von Inhalten in KI‑Antworten mit gezielten Methoden um bis zu 40 Prozent steigern, je nach Themenfeld unterschiedlich. Für Unternehmen heißt das: Inhalte und Quellenlage lassen sich beeinflussen, aber nicht mit einem einzigen Trick.
Welche Quellen KI‑Systeme heranziehen
| Quelle | Beispiele | Warum sie zählt |
|---|---|---|
| Profile großer Plattformen | Google-Unternehmensprofil, Bing Places, Apple Business Connect | Grunddaten wie Adresse, Öffnungszeiten, Kategorie und Bewertungen |
| Branchenverzeichnisse | Kammer- und Verbandsverzeichnisse, Branchenbücher, Fachportale | Bestätigen, dass es den Betrieb gibt und was er anbietet |
| Bewertungsportale | Google-Bewertungen, branchenspezifische Portale | Erfahrungen Dritter, oft direkt in Antworten zitiert |
| Medien | Lokalzeitung, Fachzeitschrift, Podcasts mit Transkript | Unabhängige Berichte mit hoher Glaubwürdigkeit |
| Wissensdatenbanken | Wikipedia, Wikidata | Eindeutige Zuordnung von Name, Sitz, Branche und Website |
| Foren und Communities | Reddit, Fachforen, Frage-Antwort-Seiten | Echte Meinungen, werden bei Vergleichsfragen häufig zitiert |
Welche Quellen in Ihrer Branche wirklich zählen, sehen Sie am schnellsten, wenn Sie typische Kundenfragen an mehrere KI‑Systeme stellen und die verlinkten Quellen notieren. Oft sind es überraschend wenige, immer wiederkehrende Seiten.
Verzeichnisse: Qualität statt Masse
Früher galt: möglichst viele Einträge. Heute zählt, ob die Einträge stimmen und in vertrauenswürdigen Verzeichnissen stehen. So gehen Sie vor:
- Bestand aufnehmen: Suchen Sie Ihren Firmennamen, alte Namen, alte Adressen und Telefonnummern. Notieren Sie jeden Eintrag.
- Daten angleichen: Name, Adresse, Telefon, Website, Öffnungszeiten und Leistungen müssen überall gleich lauten. Widersprüche machen KI‑Systeme vorsichtig.
- Pflichtquellen zuerst: Kammer, Innung oder Berufsverband, das Google-Unternehmensprofil, Bing Places und Apple Business Connect.
- Branchenportale gezielt wählen: Lieber fünf Portale, die in Ihrer Branche wirklich zitiert werden, als fünfzig Einträge in leeren Verzeichnissen.
- Doppelte und veraltete Einträge löschen: Nach Umzug oder Umfirmierung bleiben alte Daten oft jahrelang stehen.
Wikipedia und Wikidata
Wikipedia ist für KI‑Systeme eine wichtige Quelle, aber kein Marketingkanal. Die deutschsprachige Wikipedia nimmt Unternehmen nur auf, wenn sie bestimmte Relevanzkriterien erfüllen, zum Beispiel mindestens 1.000 Vollzeitbeschäftigte, mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz, eine Börsennotierung im regulierten Markt oder eine belegte marktbeherrschende oder innovative Stellung. Die englischsprachige Wikipedia verlangt ausführliche Berichte in unabhängigen, seriösen Quellen. Die meisten kleinen und mittleren Unternehmen erfüllen das nicht, und das ist kein Makel.
Wer einen Bezug zum Unternehmen hat, soll den Artikel nicht selbst schreiben oder bearbeiten, sondern Änderungen auf der Diskussionsseite vorschlagen und den Interessenkonflikt offenlegen. Bezahlte Beiträge müssen nach den Nutzungsbedingungen der Wikimedia Foundation offengelegt werden. Verdeckt bezahlte Artikel werden regelmäßig gelöscht und schaden dem Ruf.
Wikidata ist die strukturierte Wissensdatenbank hinter Wikipedia. Ein Eintrag ist möglich, wenn das Unternehmen eine klar bestimmbare Einheit ist, die sich mit seriösen, öffentlich zugänglichen Quellen beschreiben lässt, etwa Firmenbuch oder Handelsregister und Berichte. Ein sauberer Eintrag mit Name, Sitz, Gründungsjahr, Branche und offizieller Website hilft Maschinen, Ihr Unternehmen eindeutig zuzuordnen. Auch hier gilt: sachlich, belegt, ohne Werbesprache.
Medien und Fachbeiträge
Unabhängige Berichte zählen für Menschen und Maschinen besonders. Realistische Wege für kleine und mittlere Unternehmen:
- Lokale Medien: Jubiläen, Ausbildungsplätze, Projekte in der Region, Spenden und Vereinsarbeit sind echte Anlässe.
- Fachmedien und Verbände: Fachbeiträge, Praxisberichte, Vorträge auf Branchentagen. Viele Verbände veröffentlichen Mitgliederbeiträge.
- Eigene Daten: Eine kleine Auswertung aus Ihrem Alltag, etwa zu Lieferzeiten oder Preisentwicklungen in Ihrer Branche, wird gern zitiert, wenn sie sauber erklärt ist.
- Podcasts und Interviews: Am besten mit Transkript, damit der Inhalt auch als Text vorliegt.
Was Sie lassen sollten
- Gekaufte Artikel ohne Kennzeichnung: Redaktionelle Inhalte, für die bezahlt wurde, ohne dass das erkennbar ist, gelten nach der EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken als irreführende Werbung.
- Erfundene oder gekaufte Bewertungen: Sie sind in der EU ausdrücklich verboten, ebenso die Behauptung, Bewertungen stammten von echten Kunden, ohne das angemessen zu prüfen.
- Linkfarmen und Massenverzeichnisse: Hunderte Einträge in Verzeichnissen ohne Leser bringen nichts und können schaden.
- Selbst geschriebene Wikipedia-Artikel: Sie fallen meist auf und werden häufig gelöscht oder mit Warnhinweisen versehen.
Quellen
- Aggarwal u. a.: GEO: Generative Engine Optimization, KDD 2024
- Wikipedia: Relevanzkriterien
- Wikipedia: Conflict of interest
- Wikidata: Notability
- Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken, Anhang I, geändert durch Richtlinie (EU) 2019/2161: EUR-Lex
- Google: Richtlinien zu verbotenen und eingeschränkten Inhalten bei Maps