Kurz gesagt
- Gute Kandidaten sind die Dokumentenflüsse rund um die Produktion: Kundenaufträge und Anfragen ins ERP, Qualitätsunterlagen und Zeugnisse, Lieferantenbestätigungen und Lieferscheine, Serviceanfragen.
- Ingenieursentscheidungen, Produktfreigabe, Konformität und Sicherheit bleiben bei qualifiziertem Personal. Die KI bereitet vor, prüft gegen Ihre Regeln und markiert Abweichungen.
- KI, die einzelnen Beschäftigten Aufgaben zuteilt oder ihre Leistung bewertet, ist nach Anhang III der KI‑Verordnung Hochrisiko, und in Deutschland und Österreich hat der Betriebsrat mitzureden. Solche Systeme bauen wir nicht.
- Einkäufer fragen KI‑Assistenten nach Lieferanten für Werkstoff, Verfahren und Zertifizierung. Klare Produkt- und Fähigkeitsseiten mit strukturierten Daten machen einen Hersteller leichter nennbar.
Typische Abläufe in der Produktion
Das sind typische Abläufe, keine Kundenprojekte. In jedem bereitet die KI vor und prüft gegen Ihre Regeln, und jemand aus Vertrieb, Einkauf oder Qualität entscheidet. Für die Arbeit in der Fertigung selbst, also Fertigungsaufträge, Schichtberichte und Qualität im Werk, gibt es die Seite KI in der Produktion.
1. Aufträge und Anfragen ins ERP
Aufträge und Anfragen kommen als PDF, E‑Mail, Zeichnung und Portalexport, jeder Kunde in seinem eigenen Aufbau.
- Eingang: der Auftrag oder die Anfrage per E‑Mail, Portal oder PDF.
- KI bereitet vor: liest Artikelnummern, Mengen, Liefertermine und Preise, gleicht sie mit Artikelstamm und Preislisten ab und markiert, was nicht passt: einen unbekannten Artikel, einen Preis abweichend von der Liste, einen Liefertermin kürzer als die Lieferzeit. Sie entwirft den Kundenauftrag und die Auftragsbestätigung.
- Vertrieb prüft: jede markierte Abweichung. Standardaufträge ohne Abweichung lassen sich mit einem Klick freigeben.
- Ausgang: ein Kundenauftrag als Entwurf im ERP und ein Bestätigungsentwurf für den Kunden.
2. Qualitätsunterlagen und Zeugnisse
Materialzeugnisse, Prüfprotokolle und Lieferantenerklärungen müssen gegen die Spezifikation geprüft und abgelegt werden.
- Eingang: Zeugnisse und Prüfberichte der Lieferanten, Ihre eigenen Messprotokolle, die Spezifikation oder Zeichnung.
- KI bereitet vor: liest die Werte, vergleicht sie mit den Grenzwerten der Spezifikation, listet jede Abweichung mit der Seite auf, aus der sie stammt, und stellt die Prüfakte der Charge zusammen. Bei einer Abweichung entwirft sie den Bericht mit den Messwerten.
- Qualitätssicherung prüft: jede Abweichung und gibt die Charge frei. Konformitätserklärungen unterschreiben dazu befugte Personen.
- Ausgang: ein geprüfter Dokumentensatz je Charge und bei Bedarf ein Entwurf des Abweichungsberichts.
3. Lieferantenbestätigungen und Wareneingang
Auftragsbestätigungen und Lieferscheine werden mit der Bestellung verglichen, meist dann, wenn jemand Zeit findet.
- Eingang: Bestellung, Bestätigung des Lieferanten und Lieferschein.
- KI bereitet vor: vergleicht Preis, Menge, Liefertermin und Bedingungen und listet die Unterschiede mit beiden Belegzeilen auf. Bestätigungen ohne Unterschiede werden als geprüft markiert.
- Einkäufer prüft: jeden Unterschied und entscheidet, ob er ihn akzeptiert oder beim Lieferanten nachfasst.
- Ausgang: eine kurze Zusammenfassung für den Einkäufer und aktualisierte Liefertermine im ERP.
4. Service- und Ersatzteilanfragen
Kunden fragen nach Ersatzteilen, Handbüchern und Hilfe bei Störungen, oft nur mit einer Seriennummer oder einem Foto.
- Eingang: die Anfrage mit Seriennummer, Foto oder Fehlerbeschreibung.
- KI bereitet vor: erkennt Maschine und Variante an der Seriennummer, findet den passenden Abschnitt im Handbuch und die Ersatzteilliste und entwirft die Antwort mit den Quellseiten.
- Servicetechniker prüft: die Antwort vor dem Versand und übernimmt alles, was Sicherheit oder Gewährleistung berührt.
- Ausgang: ein Antwortentwurf mit Quellen und ein Serviceticket mit den schon ausgefüllten Angaben.
Was bei den Ingenieuren bleibt und was wir nicht tun
- Technik und Sicherheit: Konstruktionsentscheidungen, Risikobeurteilungen und die Freigabe eines Produkts bleiben bei qualifiziertem Personal.
- Konformität: Konformitätserklärungen und CE-Kennzeichnung unterschreibt die verantwortliche Person, nie eine Software.
- Menschen in der Fertigung: wir bauen keine Systeme, die Beschäftigten Arbeit zuteilen, Verhalten überwachen oder Leistung bewerten. Sie sind nach Anhang III der KI‑Verordnung Hochrisiko, siehe Risikoklassen.
- Maschinensteuerung: wir automatisieren Dokumente und Kommunikation, keine Steuerungen und keine Sicherheitsfunktionen.
- Kunden-Chat: antwortet aus Ihren Dokumenten, mit Quellen, sagt klar, dass er eine KI ist, und übergibt bei allem zu Sicherheit, Gewährleistung oder Haftung an den Service.
Regeln, auf die es ankommt
Die Tabelle nennt die wichtigsten Quellen zur Orientierung. Welche Regeln gelten, hängt von Ihrem Produkt, Ihren Märkten und den Anforderungen Ihrer Kunden ab.
| Rechtsraum | Grundlage | Was im Kern gilt |
|---|---|---|
| EU | Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 und KI‑Verordnung (EU) 2024/1689 | Die Maschinenverordnung gilt ab dem 20. Januar 2027 und löst die Maschinenrichtlinie ab. KI als Sicherheitsbauteil von Maschinen ist nach der KI‑Verordnung Hochrisiko. Systeme zur Steuerung von Beschäftigten stehen in Anhang III |
| Vereinigtes Königreich | Supply of Machinery (Safety) Regulations 2008 und die HSE-Hinweise zu Arbeitsmitteln und Maschinen | Maschinen, die in Großbritannien in Verkehr kommen, müssen grundlegende Sicherheitsanforderungen erfüllen und die vorgeschriebene Konformitätskennzeichnung tragen, UKCA oder, wo noch anerkannt, CE. Dokumentation und technische Unterlagen liegen in der Verantwortung des Herstellers |
| Deutschland | § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG | Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die geeignet sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen |
| Österreich | § 96a ArbVG | Systeme, die personenbezogene Daten der Arbeitnehmer über allgemeine Angaben hinaus verarbeiten, können die Zustimmung des Betriebsrats erfordern |
Dazu gilt die DSGVO für Beschäftigten- und Kundendaten: ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit jedem Anbieter (Art. 28) und Verarbeitung in der EU oder im Vereinigten Königreich. Art. 4 der KI‑Verordnung verlangt ausreichende KI‑Kompetenz der Mitarbeitenden, Art. 50 verlangt, dass KI‑Chatbots sich zu erkennen geben. Diese Übersicht ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Ihr Qualitätsmanager, Ihr Betriebsrat und Ihr Rechtsberater können bestätigen, was gilt.
Systeme, die Sie vermutlich nutzen
Hersteller arbeiten meist mit einem ERP wie SAP, Microsoft Dynamics 365, Odoo oder Sage, oft mit einem getrennten Qualitäts- oder Instandhaltungssystem und einem Laufwerk mit Zeichnungen und Zeugnissen. Wir binden über die Schnittstellen an, die diese Systeme bieten (API, Export, EDI, E‑Mail oder ein überwachter Ordner), und arbeiten daneben, wo es keine gibt. Die Namen dienen der Orientierung und bedeuten keine Partnerschaft.
Wie KI‑Assistenten Hersteller finden
Einkäufer fragen ChatGPT, Gemini oder Googles KI‑Übersichten nach „Lohnfertiger für Drehteile mit ISO 9001 in Oberösterreich“ oder „wer baut Edelstahlgehäuse nach Maß“. Die Antwort entsteht aus Produkt- und Fähigkeitsseiten, Zertifizierungsregistern, Branchenverzeichnissen, Messelisten und Bewertungen.
- Eine Seite je Produktgruppe oder Verfahren: Werkstoffe, Toleranzen, Losgrößen, Zertifizierungen und Lieferzeiten in einfachen Worten.
- Strukturierte Daten: Schema.org
Product,Organizationund Zertifizierungen, damit Maschinen die Fakten lesen können. - Einheitliche Unternehmensdaten: derselbe Name, dieselbe Anschrift und dieselben Zertifikate auf Website, in Verzeichnissen und in Zertifizierungsregistern.
- Zitierfähige Unterlagen: Datenblätter und technische Beschreibungen als lesbare Seiten, nicht nur als Scan.
Unser Ratgeber B2B‑SEO für die Industrie behandelt die Einzelheiten.
Lohnt sich Automatisierung? Acht Fragen
- Tippt jemand jeden Tag Aufträge aus PDFs oder E‑Mails ins ERP ab?
- Schicken Kunden Anfragen ohne Artikelnummer, nur mit Zeichnung oder Foto?
- Werden Zeugnisse nach Augenmaß gegen die Spezifikation geprüft?
- Werden Auftragsbestätigungen von Lieferanten nur manchmal mit der Bestellung verglichen?
- Verbringt der Service Zeit damit, zu einer Seriennummer die richtige Handbuchseite zu finden?
- Liegen Qualitätsunterlagen gleichzeitig in Ordnern, Tabellen und im ERP?
- Gibt es eine schriftliche Regel, was in KI‑Werkzeuge darf und wer das Ergebnis prüft?
- Können Sie eine Aufgabe nennen, bei der schon ein Entwurf zur Prüfung Zeit sparen würde?
Drei oder mehr Ja-Antworten sprechen meist für einen Ablauf, den es zu testen lohnt. Frage 7 ist die Voraussetzung.
Quellen
- EU: Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen: EUR-Lex; Verordnung (EU) 2024/1689 (KI‑Verordnung), Art. 4, 6, 50 und Anhang III: EUR-Lex; Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 28: EUR-Lex
- Vereinigtes Königreich: Supply of Machinery (Safety) Regulations 2008; HSE, Equipment and machinery (englisch)
- Deutschland: § 87 BetrVG
- Österreich: § 96a ArbVG