Kurz gesagt
- Verbieten hilft selten. Besser sind Firmenkonten, klare Regeln und eine feste Ansprechperson.
- Tarife für Unternehmen bieten Verwaltung, Vertrag zur Auftragsverarbeitung und nach Angaben von OpenAI standardmäßig kein Training mit Ihren Daten.
- Seit Februar 2025 verlangt Art. 4 der KI‑Verordnung Maßnahmen für die KI‑Kompetenz Ihres Teams.
- Den größten Nutzen bringen wenige, gut gewählte Anwendungsfälle, die später in Abläufe und Automatisierung übergehen.
Warum eine geordnete Einführung nötig ist
Wenn Mitarbeitende mit privaten Konten arbeiten, landen Kundendaten, Angebote oder Personalthemen in Werkzeugen, über die das Unternehmen keine Kontrolle hat. Das betrifft Datenschutz und Geschäftsgeheimnisse. Gleichzeitig verlangt die KI‑Verordnung von jedem Unternehmen, das KI beruflich einsetzt, Maßnahmen zur KI‑Kompetenz der Beschäftigten. Wer die Nutzung ignoriert, hat also gleich zwei offene Baustellen.
Die gute Nachricht: Eine saubere Einführung ist kein Großprojekt. Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen reichen eine Entscheidung zum Werkzeug, eine Richtlinie auf wenigen Seiten, passende Maßnahmen zur KI‑Kompetenz und ein paar Anwendungsfälle zum Start. Wer dabei Unterstützung möchte, beginnt mit einer KI‑Beratung, die Anwendungsfälle und Reihenfolge festlegt.
Der passende Tarif und das passende Werkzeug
Für den Einsatz im Unternehmen sollten Sie auf einen Geschäftstarif setzen, nicht auf private Konten. Achten Sie dabei auf diese Punkte:
- Verwaltung: Konten zentral anlegen und wieder entfernen, wenn jemand das Unternehmen verlässt.
- Datennutzung: OpenAI gibt an, Daten aus seinen Geschäftstarifen standardmäßig nicht zum Training zu verwenden. Prüfen Sie die Einstellungen trotzdem selbst.
- Vertrag zur Auftragsverarbeitung: Er ist Voraussetzung, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden.
- Speicherort: Für bestimmte Tarife bietet OpenAI inzwischen die Speicherung von Daten in Europa an.
- Alternativen: Wer ohnehin mit Microsoft 365 arbeitet, prüft auch Microsoft 365 Copilot, das auf Ihre Dokumente und E‑Mails zugreifen kann.
Regeln: die KI‑Richtlinie
Eine gute KI‑Richtlinie passt auf wenige Seiten und beantwortet die Fragen, die sich Mitarbeitende täglich stellen:
- Welche Werkzeuge sind freigegeben, und nur mit Firmenkonto?
- Welche Daten dürfen hinein, welche nie? Eine einfache Ampel aus Grün, Gelb und Rot hilft.
- Wer prüft Ergebnisse, bevor sie an Kunden gehen oder in Entscheidungen einfließen?
- Wann wird KI‑Einsatz gegenüber Kunden offengelegt?
- An wen wenden sich Mitarbeitende bei Fragen oder Fehlern?
KI‑Kompetenz: was Art. 4 der KI‑Verordnung verlangt
Seit 2. Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI einsetzen, die KI‑Kompetenz ihres Teams fördern. Mit dem Digital-Omnibus wurde die Pflicht im Juli 2026 neu gefasst, aber nicht abgeschafft: Gefordert sind ernsthafte, passende Maßnahmen, abgestimmt auf Vorkenntnisse und Einsatz. Eine bestimmte Dauer oder ein Zertifikat schreibt die Verordnung nicht vor. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, steht in unserem Beitrag zur KI‑Kompetenz nach Art. 4.
Bewährt haben sich wenige Bausteine: verständliche Grundlagen, wie generative KI arbeitet und warum sie irren kann, praktische Erfahrung mit den freigegebenen Werkzeugen an Aufgaben aus dem eigenen Alltag und klare Regeln zu Daten und Prüfung. Halten Sie fest, welche Maßnahmen Sie wann umgesetzt haben. Nach einigen Wochen hilft ein kurzer Austausch, in dem das Team gelungene Beispiele und typische Fehler teilt.
Anwendungsfälle für den Start
Wählen Sie drei bis fünf Aufgaben, die häufig vorkommen und bei denen Fehler leicht auffallen:
- E‑Mails und Antworten entwerfen: schneller formulieren, in mehreren Sprachen, mit Prüfung durch die Person, die sendet.
- Texte zusammenfassen: lange Dokumente, Ausschreibungen oder Protokolle auf das Wesentliche bringen.
- Angebote und Texte vorbereiten: Bausteine für Angebote, Stellenanzeigen oder Produkttexte, die ein Mensch fertigstellt.
- Daten auswerten: Tabellen auswerten, Auffälligkeiten finden, Diagramme vorschlagen.
- Interne Fragen beantworten: mit eigenen GPTs oder Projekten, die Ihre freigegebenen Unterlagen kennen.
Häufige Fehler bei der Einführung
- Lizenzen ohne Plan: Konten werden verteilt, aber niemand zeigt, wofür. Nach wenigen Wochen nutzen nur noch die Begeisterten das Werkzeug.
- Zu viele Verbote: Eine Richtlinie, die fast alles untersagt, treibt die Nutzung zurück auf private Konten.
- Keine Prüfung der Ergebnisse: Texte und Zahlen gehen ungeprüft an Kunden. Ein einziger peinlicher Fehler kostet mehr Vertrauen, als KI Zeit spart.
- Kein Verantwortlicher: Ohne eine Person, die Fragen sammelt, Beispiele teilt und Regeln anpasst, verläuft die Einführung im Sand.
Vom Chat zur Automatisierung
Nach einigen Wochen zeigt sich, welche Aufgaben immer wiederkehren. Dort lohnt der nächste Schritt: Statt jedes Mal zu kopieren und einzufügen, wird der Ablauf automatisiert, etwa mit einem Werkzeug wie n8n oder über die Schnittstelle der Modelle. Aus einem guten Prompt wird ein fester Prozess mit Freigabe. Mehr dazu unter Prozessautomatisierung und in unserem Beitrag über KI‑Agenten. Als KI‑Agentur setzen wir solche Abläufe für Sie um.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz: EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung): EUR-Lex
- OpenAI: Enterprise privacy